Mensch über Bord, Feuer, Grundberührung, Kentern
Mensch über Bord (MOB)
„Mensch über Bord“ heißt immer akute Lebensgefahr. Zwei Aufgaben: zur Person hinkommen – und sie wieder an Bord holen. Die Manöver müssen regelmäßig praktisch geübt werden; mindestens ein weiteres Crewmitglied muss sie sicher fahren können, bei Zweier-Crews beide.
Sofortmaßnahmen (möglichst gleichzeitig)
- Laut „Mensch über Bord!“ rufen.
- Sofort ein Rettungsmittel mit Leine zuwerfen (markiert die Stelle; nachts/bei Seegang mit Licht bzw. Rauchsignal).
- Ausguck mit Fernglas bestimmen, der die Person nicht aus den Augen lässt und auf sie zeigt.
- Position, Kurs und Uhrzeit notieren – am GPS die MOB-Taste drücken.
- Auf Seglern Motor starten – das Manöver am besten unter Motor fahren.
- Andere Schiffe und Rettungsdienste mit MAYDAY informieren – auch binnen.
- Alle Geräte zur Rettung und Versorgung klarlegen.
Manöver-Variante: Person über Bord allein an Bord
Auch wer allein an Bord ist – oder wessen Crew nicht an Deck ist –, kann das Person-über-Bord-Manöver fahren. Geübt wird es zum Beispiel, indem man auf Amwindkurs eine Markierungsboje an Backbord ins Wasser wirft und sie wie einen Menschen behandelt. Wichtig ist vor allem der Blick zur Person im Wasser: Er ist viel wichtiger als das Handling des Bootes oder eine korrekte Segelstellung. Die Variante mit Wende, Halse und Aufschießer läuft in neun Schritten ab (Buchstaben wie in der Grafik):
| Punkt | Was passiert |
|---|---|
| A | Die Person fällt auf Amwindkurs an Backbord ins Wasser. Ab jetzt nicht mehr aus den Augen lassen – einen Ausguck gibt es allein nicht, also zeigen und schauen. |
| B | Enge Wende. Das Boot dreht sofort und bleibt in der Nähe der Person. |
| C | Nach der Wende auf halben Wind. Die Fock bleibt back stehen, die Segelstellungen werden dem Kurs nicht angepasst. Der Blick zum ins Wasser gefallenen Menschen hat Vorrang vor der Segelstellung. Das Boot wird durch die back stehende Fock gebremst. |
| D | Die Halse wird eingeleitet. |
| E | Groß und Fock bleiben dicht. Auch hier zählt der Blick zur Person mehr als der Segeltrimm. |
| F | Rund achtern auf den Steuerbordbug, dann weiter bis auf halben Wind anluven. |
| G | Die Segel stehen weiterhin wie am Wind. Der Motor wird gestartet, aber noch nicht eingekuppelt. Allein an Bord läuft man kurz zur Steuerbordwinsch und fiert die Fock komplett auf. |
| H | Aufschießer: Das Boot luvt auf die Person an, die Großschot wird dabei nicht gefiert. Der Aufschießer muss deshalb direkt gefahren werden. |
| I | Zum exakten Aufstoppen darf der Motor zugeschaltet werden, wenn zu wenig Raum für den Aufschießer blieb. |
Feuer an Bord
Ein Brand, der nicht im Entstehen gelöscht wird, ist ohne fremde Hilfe kaum zu beherrschen – Vorbeugung ist der beste Schutz (siehe Kapitel 4).
- Ruhe bewahren.
- Motorbrand: Kraftstoffzufuhr sperren, mit Vollgas den Vergaser leerfahren und abdecken, Lüftungen schließen, Löschmittel durch den Feuerlöschdurchlass geben (Vorsicht: Stichflamme durch einströmende Luft!), ggf. eingebaute Löschanlage auslösen.
- Brennstoffzufuhr von Koch- und Heizgeräten unterbrechen, Lüftungen schließen.
- Löscher erst am Brandort auslösen und von vorn und unten löschen. Etwas Löschmittel für Rückzündungen aufheben – ein 3-l-Löscher leert sich in etwa 6 Sekunden, ein 10-l-Löscher in bis zu 15 Sekunden.
- Löschmittel verbraucht? Alle Öffnungen schließen (Feuer ersticken) und Deck und Aufbauten von außen mit Wasser kühlen.
Grundberührung
- Kommt man wieder frei: sofort auf Lecks prüfen, nächsten Hafen anlaufen und das Unterwasserschiff kontrollieren lassen.
- Wassereinbruch: mit Bordmitteln abdichten und lenzen. Bei starkem Einbruch sofort Hilfe rufen und das Boot auf möglichst weichem, ebenem Grund absetzen.
- Festgekommen: Lecks prüfen, Rumpf von außen begutachten; ggf. durch Gewichtsverlagerung oder mit dem Beiboot freikommen – sonst Hilfe rufen.
- Meldepflicht: binnen an WSA oder Wasserschutzpolizei, auf See an die zuständige Verkehrszentrale.
- In kritischer Lage Hilferuf absetzen und das Verlassen vorbereiten – aber so lange wie möglich an Bord bleiben.
Kentern
Segelboote kentern meist nach Lee: durch ungeschickte Halsen, zu starkes Anluven in Böen am Wind oder hartes Anluven bei raumem Wind. Nach Luv kentern sie, wenn die weit in Luv sitzende Crew die Großschot zu plötzlich fiert oder wenn eine achterliche See den Bug anhebt. Nach dem Kentern beim Boot bleiben und auf sich aufmerksam machen.
